Kritische Orientierungswoche

In der kritischen Orientierungswoche der Liste der StudiengangsAktiven (LiSA) bietet der Arbeitskreis Auflösen einige Workshops an. Vorbeikommen kann wer will – ob nun Erstsemester oder nicht. Wir freuen uns auf euch!

Alle Veranstaltungen finden an der Uni Bremen im GW3 (der Hütte am Mensasee) statt. Die am nächsten gelegene Haltestelle ist „Universität Zentralbereich“ (Linie 6).

 

1. Zu wenig Arbeit – und das soll ein Problem sein?
Montag 1.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Diese Gesellschaft hat ein Problem, es heißt „Arbeitslosigkeit“. Hier gibt es tatsächlich zu wenig Arbeit. Ein komisches Problem, schließlich wäre es eigentlich ein Grund zur Freude, weniger arbeiten zu müssen: Technische Fortschritte ermöglichen, mit immer weniger Aufwand an Arbeit immer mehr Dinge zu produzieren. Eigentlich eine gute Sache. Menschen müssen weniger arbeiten, um ganz viele tolle Sachen herzustellen: von leckerem Essen, über einen schönen Ort zum Wohnen, bis hin zu Sportgeräten, Smartphones, Büchern, MP3-Playern und all dem anderen Zeug, mit denen sich ein schönes Leben machen lässt. Wenig Arbeit wäre eigentlich ein Grund zur Freude. In dieser Gesellschaft nicht. In dieser Gesellschaft führt wenig Arbeit nicht dazu, dass es den Menschen besser geht. Warum eigentlich nicht? Arbeitslosigkeit ist etwas, das alle stört. Aber wer braucht eigentlich Arbeit und wozu?

 

2. Die Gedanken sind frei.
Freitag, 5.10.2012 | 11:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Jeder hat sie und ist auch mächtig stolz darauf: Eine Meinung. Auch wird man mit ihr nicht allein gelassen, ihren Schutz garantiert der Staat (§5 GG). Sie zu schätzen und sie sich von niemandem kaputt reden zu lassen ist allgemein anerkannt. Stößt man mit seinen Aussagen auf eine gegenläufige Meinung, kann man sich immer mit einem einfachen „ist doch nur meine Meinung“ aus der Affäre ziehen. So können am Ende völlig
unterschiedliche und sogar gegensätzliche Aussagen zu einer Sache gleich gültig nebeneinander stehen. Kommt es also denjenigen die so viel auf ihre Meinung geben, gar nicht darauf an was sie sagen, sondern darauf, dass SIE es gesagt haben? Und wer fällt dann die praktischen Entscheidungen, wie ihr Leben zu gestalten ist, wenn sie sich auf bloßes Meinen beschränken lassen? In diesem Workshop werden wir versuchen, diese Kuriosität zu erklären.

 

3. Warum verhungern täglich 100.000 Menschen – egal wie du einkaufst?
Montag 8.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Regelmäßig ist in den Zeitungen von krassen Zuständen in den Ländern des globalen Südens zu lesen. Und selbst wenn gerade einmal nicht über Hungerkatastrophen und -aufstände berichtet wird, weiß irgendwie jede_r, dass es in diesen Weltgegenden richtig beschissen zur Sache geht. Wer nicht verhungert, weil er gar keine Arbeit und deswegen gar keinen Lohn hat, der muss sich in aller Regel in s.g. ‚Sweatshops‘ verdingen und für westliche Unternehmen die neuesten Turnschuhe, T-Shirts oder Fußbälle zusammennähen – unter den schäbigsten Bedingungen.
Es gibt Leute die meinen, die Zustände dort hätten einiges damit zu tun, wie hier, im ‚reichen Norden‘, eingekauft aund konsumiert wird: Mensch und Umwelt würde so übel mitgespielt, nur damit „wir“ konsumieren können. Um das zu ändern, empfehlen sie dem Konsumenten bewusstes Einkaufen. Er solle nur Dinge kaufen, die unter guten Bedingungen produziert wurden – das würde den Leuten dort helfen.

Das Problem an dieser Kritik ist kein Mangel an guter Absicht, sondern: Die – wie bei der Veranstaltung gezeigt werden soll – eigentlichen Gründe der Misere werden durch die Hintertür für gut befunden:
Es wird sich positiv auf die Konkurrenz der Unternehmen um Profitmöglichkeiten bezogen, wenn die „schlechten“ zugunsten der „guten“ abgestraft werden sollen. ‚Fairtrade‘ sieht im Lohn nur dann ein Ausbeutungsverhältnis, wenn er eigentlich gar nicht mehr zum Leben reicht. Und die Umweltvernutzung durch die Unternehmen ist kein Problem, wenn nicht mehr als üblich zerstört wird. Vor Allem aber wird suggeriert, dass der_die Konsument_in per Kauf oder Nicht-Kauf über die Produktionsbedingungen entscheiden könne, es also letztendlich beim Kapitalismus irgendwie schon um die Bedürfnisse der Leute ginge.

Warum das so nicht hinhaut und man mit einer konsequenten Kritik an Armut und Umweltzerstörung nicht beim bewussten Einkaufen, sondern bei einer Kritik der Marktwirtschaft – die hier wie dort herrscht – herauskommt, wollen wir in diesem Workshop klären.

 

4. Konkurrenz in der Ausbildung
Dienstag 9.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Wer die Uni betritt, hat die Konkurrenz in der Schule erfolgreich hinter sich gelassen…und was erwartet ihn dort? Die nächste Runde der Konkurrenz. Die um die Abschlüsse für die höheren Ränge in der beruflichen Hierarchie.
Den durch Prüfungsordnungen als äußeren Zwang organisierten Leistungsdruck findet fast jeder negativ. Man muss sich lauter Anforderungen fügen, die man nicht in der Hand hat. Das hindert kaum jemanden daran, die Konkurrenz gleichzeitig für ein gutes Mittel fürs eigene Interesse zu halten. Und so soll man die Sache auch sehen: Sie belohnt die, die sich reinhängen, und wenn man schlecht abschneidet, hat man sich halt nicht genug angestrengt, ist ungerecht beurteilt worden oder es war die Konkurrenz einfach zu krass. Ob das zutrifft, ist eine ganz andere Frage. Auf jeden Fall klärt dieses widersprüchliche Plus und Minus wenig: Warum muss das eigentlich so sein, dass Studierende, die alle dasselbe wollen, sich untereinander nach Siegern und Verlierern sortieren? Wir halten deshalb genauere Klärung für notwendig. Dabei soll herauskommen, was Konkurrenz in der Ausbildung tatsächlich ist und wer welchen Nutzen von ihr hat.

 

5. Rüstungsforschung und zivile Forschung – ein Gegensatz?
Donnerstag 11.10 | 11:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Seit einiger Zeit gibt es an der Bremer Uni Streit um eine Stiftungsprofessur, die von einem Unternehmen (OHB) finanziert werden soll, welches u.a. Satelliten für die Bundeswehr anfertigt. Inhalt des Streits ist die Frage, ob dies mit der Zivilklausel vereinbar ist, in der der Akademische Senat der Uni Bremen „die Mitglieder der Universität auffordert, Forschungsthemen und -mittel abzulehnen, die Rüstungszwecken dienen können…“ (AS-Beschluss Nr. 5113). Leider geht dieser Streit vielfach um bloße Abgrenzungsfragen: Ist die Satellitenforschung eindeutig Rüstungsforschung oder nicht vielmehr harmlose Grundlagenforschung, bzw. können Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht immer auch zu militärischen Zwecken verwendet werden? Ist das private Stiften von Geld ein Eingriff in die Freiheit der Forschung oder eine selbstlose Förderung von Forschung zu Unser aller Nutzen?
Wir meinen, dass in solchen Abgrenzungen Verharmlosungen darüber stecken, wie auch die Bremer Uni vor allem durch ihre zivile Forschung zu Kriegsgründen und zum Kriegführen beiträgt, und dass die Trennung zwischen zivil = menschenfreundlich und militärisch = menschenschädlich nicht richtig ist. Warum zivile Forschung und Rüstungsforschung notwendig zusammengehören und was die Freiheit der Wissenschaft damit zu tun hat, darum soll es in dieser Veranstaltung gehen.

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3 Kommentare zu Kritische Orientierungswoche

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