„Gegen Rechts argumentieren lernen“ beim Festival Contre le Racisme in Hannover

Am 10. Juni gibt es von uns einen Workshop beim Festival Contre le Racisme in Hannover:

Häufig meinen Leute, Ausgrenzung und Diffamierung wären der richtige Weg, um mit Rechten umzugehen. Deren Standpunkte werden dabei als nicht befassenswert abgetan. Dabei ist aber vollends von dem Inhalt der Argumentationen abgesehen, also nichts dagegen gesagt. Rechtsradikale Taten und Parolen müssen jedoch als das ernst genommen werden, was sie sind: eine politische Gesinnung. Für eine richtige Kritik ist es deshalb wichtig, die Rechtsradikalen in ihren Argumenten ernstzunehmen, um deren Fehler mit ihren schädlichen Konsequenzen aufzeigen zu können.

Datum: Montag 10. Juni, 19.00 Uhr
Ort: Raum V111 (Schneiderberg 50)

 

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„Selber Penner!“ – Obdachlosigkeit in der sozialen Marktwirtschaft

(Weitere Materialien zum Thema finden sich hier)

An Reichtum mangelt es in dieser Gesellschaft wahrlich nicht: die Schaufenster sind voll. Von Mp3-Player und Klamotten über Maschinen zur Autoproduktion bis zum Baukran und Bagger ist alles da. Gleichzeit schlafen jeden Tag Leute auf der Straße– und erfrieren dort auch regelmäßig. Wie kann es sein, dass in einer Welt, in der es riesigen Reichtum gibt, Leute überhaupt auf der Straße schlafen müssen? Daran, dass es zu wenig Wohnungen gibt, liegt es nicht. Und selbst wenn, gäbe es ausreichend materielle Mittel (Baustoffe, Bagger, Kräne usw.), um neue zu bauen und den Mangel aus der Welt zu schaffen.

Die Vorstellungen darüber, wieso Leute dennoch auf der Straße schlafen müssen, sind unterschiedlich. Jeder kennt Gruselgeschichten über Armutsgestalten, deren Karriere auf der Straße endet: Sie hätten Probleme mit dem Trinken, würden in Beziehungskrisen ihre Familien verlassen, oder hätten sich bei den Bemühungen um Hartz IV einfach nicht genug gekümmert.

All das macht persönliche Entscheidungen der Leute zum Grund für ihre Obdachlosigkeit. Warum selbst harmlose Schicksalsschläge regelmäßig dazu führen, dass Leute auf der Straße landen, beantwortet keine dieser Erklärungen. Ganz im Gegenteil: so wird Obdachlosigkeit auf Faulheit oder Pech zurückgeführt, also zu einer ungewöhnlichen Ausnahme erklärt. Eigentlich, so die Behauptung könnte es in dieser Gesellschaft jeder zu einem Auskommen bringen – wenn er sich denn nur genug anstrengen würde. Die Wahrheit sieht anders aus:

Obdachlose schlafen auf der Straße, weil sie – durch das vom Staat garantierte Eigentum – ganz grundsätzlich von allem ausgeschlossen sind, was sie so zum Leben brauchen, auch von Wohnungen. An die Dinge, die man für ein schönes Leben braucht, rankommen und diesen Ausschluss überwinden kann nur, wer das Geschäftsinteresse des Eigentümers, also auch des Vermieters, bedient. Ein Bedürfnis gilt in der sozialen Marktwirtschaft nichts, hat man das nötige Geld dazu nicht in der Tasche. Erst muss die Miete und die Kaution gezahlt und noch nachgewiesen werden, dass man auch in Zukunft die Miete zahlen kann. Und die Bude, in die die Möbel dann kommen, sieht auch entsprechend aus: Renovieren kostet, und gerade für ärmere Mieter lohnt sich das nicht.

Dass das Interesse des Vermieters gültig ist, dafür sorgt der Staat. Fällt die Zahlung mal aus, droht  Zwangsräumung durch Gerichtsvollzieher und Polizei. Ebenso passt der Staat darauf auf, dass sich niemand Wohnraum verschafft, der nicht dafür zahlt. Auch die Verhinderung von Hausbesetzungen fällt darunter. Dabei ist der Staat sehr grundsätzlich: Wer die Bremer Medien verfolgt, weiß, dass auch die Besetzung einer leerstehenden Spedition ein Grund für den Einsatz eines Sondereinsatzkommandos ist. Spätestens da kann man merken: Wohnen ist in dieser Gesellschaft ein Mittel fürs Vermehren von Eigentum in Form von Geld.

Egal ob man wohnen oder essen will, man ist durch staatliche Gewalt gezwungen an Geld zu kommen, weil alle Dinge Eigentum sind. Das heißt: Jemand hat die ausschließliche und damit alle anderen ausschließende Verfügungsmacht über die Dinge. Dieses Verhältnis nutzen die Eigentümer um an Geld zu kommen.

Deswegen hängt für die Menschen in dieser Gesellschaft alles davon ab, über welches Eigentum sie verfügen, auch wie und ob sie überhaupt wohnen können. Der Wohnungseigentümer kommt an Geld, indem er die Wohnung vermietet, in der er selbst nicht wohnt. Dann gibt es welche, die haben Produktionsmittel, an denen sie andere Menschen Dinge produzieren lassen, die sie als Waren gewinnbringend verkaufen. Wieder andere haben Geld, das sie Unternehmen zum Gewinnemachen gegen Zins leihen. Den meisten Menschen stehen solche Mittel nicht zur Verfügung. Sie haben kein nennenswertes Eigentum (z.B. eine Fabrik), um an Geld zu kommen. Sie sind nur Eigentümer ihrer selbst und müssen deshalb sich selbst dafür benutzen. Sie müssen ihre Arbeitskraft verkaufen – sich einen Job suchen. Sie sind also auf jemand anderen angewiesen, der ihre Arbeitskraft für seine Zwecke benutzen will. Der Lohn, den sie dafür bekommen, ist genau deswegen niedrig: Damit sie an einen Job kommen, muss sich ein Unternehmen einen Nutzen davon versprechen sie einzustellen. Dafür muss ihre Arbeit mehr Geld einbringen, als sie kostet, und zwar möglichst viel mehr. Unternehmen wollen möglichst viel und intensive Arbeit für möglichst niedrigen Lohn. Das Interesse der Arbeitgeber steht also im Gegensatz zum Interesse derer, die mit Lohn ihr Leben bestreiten müssen. Die Senkung der Löhne ist für die Unternehmen das Mittel Kosten einzusparen um höhere Gewinne zu machen. Sie lassen sich viel besser drücken, als der Preis von Maschinen oder Grundstücken: Dass der Lohn das einzige Mittel zum Leben ist und alle um die Arbeitsplätze konkurrieren müssen, macht erpressbar. Ob Lohnabhängige dieses Mittel, das zwar das einzige, aber ein extrem schädliches  und untaugliches Mittel zum Überleben ist, überhaupt benutzen können, ist extrem unsicher. Wenn die Unternehmen Lohnabhängige für nicht brauchbar zum Gewinnemachen befinden, werden sie nicht mehr eingestellt oder entlassen und haben gleich gar kein Einkommen mehr. Damit ist spätestens fraglich, ob sie überhaupt wohnen können.

An dem Prinzip ändern Sozialversicherungen oder Harz IV nichts. Solche Maßnahmen sind dafür da, Leute zu erhalten, die gerade oder dauerhaft für die Profitmacherei nicht brauchbar sind und zeigen eines deutlich: Nämlich, dass Armut und gesundheitliche Ruinierung durch die Arbeit in dieser Gesellschaft alltäglich und selbstverständlich sind. Hier springt der Staat mit seinem Sozialsystem ein, aber gar nicht so, dass die Gründe der ständigen Not aus der Welt geschafft werden. Im Gegenteil: die Verhältnisse, in denen das Elend geschaffen wird, werden betreut und am Laufen gehalten.

Genau so ist die „Hilfe“ auch bemessen: Die Verantwortlichen machen gar kein Geheimnis daraus, dass die Arbeitslosenhilfe so niedrig sein soll, dass man möglichst viele „Anreize“ bekommt einfach jeden Job anzunehmen. Mit Absicht soll die Förderung nur ein Leben am Existenzminimum ermöglichen, also zum Leben gar nicht ausreichen. Um in den Genuss dieser paar Euro zu kommen muss man als Empfänger noch eine Reihe von Gängelungen über sich ergehen lassen.

Als Langzeitarbeitsloser bekommt man das Sozialgeld nicht einfach so in die Hand gedrückt. Trotz der Tatsache, dass kein Unternehmen jetzt und in Zukunft vor hat einen wieder einzustellen, muss man ständig zeigen, dass man noch immer einen guten Willen zur Arbeit hat – bei Strafe von Leistungskürzungen. Mit der Erfüllung von Bewerbungsquoten, Besuchen von Fortbildungsmaßnahmen und hirnrissigen Motivationstrainings soll man seinen Willen unter Beweis stellen, ausschließlich Arbeit als sein Mittel zum Leben benutzen zu wollen. Auch wenn man ständig die Erfahrung macht, dass es damit gar nicht geht.

Wer diese absurde Gängelung nicht mehr aushält, der verliert seinen Anspruch auf diese merkwürdige „Hilfe“ und ist vollkommen mittellos in einer Gesellschaft, die erst Geld sehen will, bevor man was bekommt. Und damit ist endgültig klar, dass so eine Gesellschaft ohne Obdachlose nicht zu haben ist.

An diesem Punkt sollte klar sein, dass sich deine eigene ökonomische Situation gar nicht so groß von der eines Obdachlosen unterscheidet – selbst wenn du das „Glück“ hast, einen Unternehmer gefunden zu haben, der dich für seinen Profit benutzt. Eben weil die Unterworfenheit unter den Staat und die mit seiner Garantie des Eigentums gestiftete Abhängigkeit von feindlichen Interessen (Arbeitgeber, Vermieter, etc.) – nicht nur für die Leute, die wirklich ganz unten angekommen sind gilt, sondern für jeden der nicht gerade Unternehmer oder Bundeskanzler ist.

Die eigene Lage ist also Grund genug sich einmal grundsätzlicher mit den herrschenden Interessen in dieser Gesellschaft zu beschäftigen, denn sie sind es, die diesen Planeten in jeder Hinsicht so wenig wohnlich machen. Einige Hinweise und Lektüreempfehlungen dazu geben wir hier.

Anmerkungen und Kritik erreichen uns über die Kommentare, per Mail oder auf unserer Facebookseite.

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Materialien zur Wohnungsfrage

Auf dieser Seite Sammeln wir Texte für Leute, die im Anschluss an unser Flugblatt Interesse haben sich mit den Themen Wohnen, Wohneigentum, und Obdachlosigkeit in der Marktwirtschaft auseinanderzusetzen.

1. Audio: Wohnungsnot und Mietpreisexplosion – Die Wohnungsfrage im Kapitalismus

„Die elementare Frage nach einem Dach über dem Kopf ist auch nach 150 Jahren kapitalistischen Wachstums nicht erledigt. Im Gegenteil, das pure Wohnen wird für viele zu einem kaum mehr bezahlbaren Luxus.
Warum ist das so?

Gliederung:
1. Das Grundeigentum: Boden, Pacht & Miete, Bodenpreis (Teil1)
2. Der „kleine Mann“ und die Zwänge des Wohnungsmarktes (Teil2)
3. Staat und Wohnungsmarkt (Teil2)
4. Diskussion

>> Mp3-Download <<

2. Die Klassen (II) – Grundeigentümer

Ein grundsätzlicher Artikel zur Frage was Grundeigentum ist und wie daraus ein Geschäft wird, wie sich dieses zum Rest der Ökonomie verhält, usw.

>> PDF <<

3. „Die Schneider-Pleite und die sachfremden Entgleisungen der öffentlichen Moral“

Artikel aus dem Gegenstandpunkt 2-94 zur besonderen Rolle von Banken und Kredit im Geschäft mit Wohnungen und Boden.

„Ein „Baulöwe“ investiert in Grundstücke und bewirkt deren Wertsteigerung durch die kapitalisierten Erträge der Bebauung. Mit dem Erfolg wächst das Interesse der Banken, Herrn Schneider, der den staatlich kreditierten „Aufschwung Ost“ nutzen will, zu finanzieren. Banken können das, weil sie aus ihren Schulden bei der Gesellschaft und der Geschäftswelt ihr Kapital und diese von sich abhängig machen. Konsequent beschließen sie die „Schneider-Pleite“, sobald sie Liquiditätsprobleme nicht mehr als zeitweilige, sondern als unrentables Geschäft einstufen. Eine Pleite dieser Größe im „Aufschwung Ost“ erzeugt Zweifel am deutschen Finanzwesen, also werden die Verluste kleingeredet („peanuts“), was der Bank von einer fanatischen Öffentlichkeit sachfremd als sorgloser Umgang mit ihren Einlagen und insofern als Mitschuld angelastet wird.“

>> PDF <<

4. Referat: Gentrification

Referat von „Gruppen gegen Kapital und Nation“ zum Thema Gentrifizierung

>> Link <<

Dort findet sich auch eine Diskussion mit einem bekannteren Gentrifizierungs-Theoretiker (Holm).

>> Link <<

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Kritische Orientierungswoche

In der kritischen Orientierungswoche der Liste der StudiengangsAktiven (LiSA) bietet der Arbeitskreis Auflösen einige Workshops an. Vorbeikommen kann wer will – ob nun Erstsemester oder nicht. Wir freuen uns auf euch!

Alle Veranstaltungen finden an der Uni Bremen im GW3 (der Hütte am Mensasee) statt. Die am nächsten gelegene Haltestelle ist „Universität Zentralbereich“ (Linie 6).

 

1. Zu wenig Arbeit – und das soll ein Problem sein?
Montag 1.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Diese Gesellschaft hat ein Problem, es heißt „Arbeitslosigkeit“. Hier gibt es tatsächlich zu wenig Arbeit. Ein komisches Problem, schließlich wäre es eigentlich ein Grund zur Freude, weniger arbeiten zu müssen: Technische Fortschritte ermöglichen, mit immer weniger Aufwand an Arbeit immer mehr Dinge zu produzieren. Eigentlich eine gute Sache. Menschen müssen weniger arbeiten, um ganz viele tolle Sachen herzustellen: von leckerem Essen, über einen schönen Ort zum Wohnen, bis hin zu Sportgeräten, Smartphones, Büchern, MP3-Playern und all dem anderen Zeug, mit denen sich ein schönes Leben machen lässt. Wenig Arbeit wäre eigentlich ein Grund zur Freude. In dieser Gesellschaft nicht. In dieser Gesellschaft führt wenig Arbeit nicht dazu, dass es den Menschen besser geht. Warum eigentlich nicht? Arbeitslosigkeit ist etwas, das alle stört. Aber wer braucht eigentlich Arbeit und wozu?

 

2. Die Gedanken sind frei.
Freitag, 5.10.2012 | 11:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Jeder hat sie und ist auch mächtig stolz darauf: Eine Meinung. Auch wird man mit ihr nicht allein gelassen, ihren Schutz garantiert der Staat (§5 GG). Sie zu schätzen und sie sich von niemandem kaputt reden zu lassen ist allgemein anerkannt. Stößt man mit seinen Aussagen auf eine gegenläufige Meinung, kann man sich immer mit einem einfachen „ist doch nur meine Meinung“ aus der Affäre ziehen. So können am Ende völlig
unterschiedliche und sogar gegensätzliche Aussagen zu einer Sache gleich gültig nebeneinander stehen. Kommt es also denjenigen die so viel auf ihre Meinung geben, gar nicht darauf an was sie sagen, sondern darauf, dass SIE es gesagt haben? Und wer fällt dann die praktischen Entscheidungen, wie ihr Leben zu gestalten ist, wenn sie sich auf bloßes Meinen beschränken lassen? In diesem Workshop werden wir versuchen, diese Kuriosität zu erklären.

 

3. Warum verhungern täglich 100.000 Menschen – egal wie du einkaufst?
Montag 8.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Regelmäßig ist in den Zeitungen von krassen Zuständen in den Ländern des globalen Südens zu lesen. Und selbst wenn gerade einmal nicht über Hungerkatastrophen und -aufstände berichtet wird, weiß irgendwie jede_r, dass es in diesen Weltgegenden richtig beschissen zur Sache geht. Wer nicht verhungert, weil er gar keine Arbeit und deswegen gar keinen Lohn hat, der muss sich in aller Regel in s.g. ‚Sweatshops‘ verdingen und für westliche Unternehmen die neuesten Turnschuhe, T-Shirts oder Fußbälle zusammennähen – unter den schäbigsten Bedingungen.
Es gibt Leute die meinen, die Zustände dort hätten einiges damit zu tun, wie hier, im ‚reichen Norden‘, eingekauft aund konsumiert wird: Mensch und Umwelt würde so übel mitgespielt, nur damit „wir“ konsumieren können. Um das zu ändern, empfehlen sie dem Konsumenten bewusstes Einkaufen. Er solle nur Dinge kaufen, die unter guten Bedingungen produziert wurden – das würde den Leuten dort helfen.

Das Problem an dieser Kritik ist kein Mangel an guter Absicht, sondern: Die – wie bei der Veranstaltung gezeigt werden soll – eigentlichen Gründe der Misere werden durch die Hintertür für gut befunden:
Es wird sich positiv auf die Konkurrenz der Unternehmen um Profitmöglichkeiten bezogen, wenn die „schlechten“ zugunsten der „guten“ abgestraft werden sollen. ‚Fairtrade‘ sieht im Lohn nur dann ein Ausbeutungsverhältnis, wenn er eigentlich gar nicht mehr zum Leben reicht. Und die Umweltvernutzung durch die Unternehmen ist kein Problem, wenn nicht mehr als üblich zerstört wird. Vor Allem aber wird suggeriert, dass der_die Konsument_in per Kauf oder Nicht-Kauf über die Produktionsbedingungen entscheiden könne, es also letztendlich beim Kapitalismus irgendwie schon um die Bedürfnisse der Leute ginge.

Warum das so nicht hinhaut und man mit einer konsequenten Kritik an Armut und Umweltzerstörung nicht beim bewussten Einkaufen, sondern bei einer Kritik der Marktwirtschaft – die hier wie dort herrscht – herauskommt, wollen wir in diesem Workshop klären.

 

4. Konkurrenz in der Ausbildung
Dienstag 9.10.2012 | 15:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Wer die Uni betritt, hat die Konkurrenz in der Schule erfolgreich hinter sich gelassen…und was erwartet ihn dort? Die nächste Runde der Konkurrenz. Die um die Abschlüsse für die höheren Ränge in der beruflichen Hierarchie.
Den durch Prüfungsordnungen als äußeren Zwang organisierten Leistungsdruck findet fast jeder negativ. Man muss sich lauter Anforderungen fügen, die man nicht in der Hand hat. Das hindert kaum jemanden daran, die Konkurrenz gleichzeitig für ein gutes Mittel fürs eigene Interesse zu halten. Und so soll man die Sache auch sehen: Sie belohnt die, die sich reinhängen, und wenn man schlecht abschneidet, hat man sich halt nicht genug angestrengt, ist ungerecht beurteilt worden oder es war die Konkurrenz einfach zu krass. Ob das zutrifft, ist eine ganz andere Frage. Auf jeden Fall klärt dieses widersprüchliche Plus und Minus wenig: Warum muss das eigentlich so sein, dass Studierende, die alle dasselbe wollen, sich untereinander nach Siegern und Verlierern sortieren? Wir halten deshalb genauere Klärung für notwendig. Dabei soll herauskommen, was Konkurrenz in der Ausbildung tatsächlich ist und wer welchen Nutzen von ihr hat.

 

5. Rüstungsforschung und zivile Forschung – ein Gegensatz?
Donnerstag 11.10 | 11:00 Uhr | GW3 (Hütte am Mensasee)

Seit einiger Zeit gibt es an der Bremer Uni Streit um eine Stiftungsprofessur, die von einem Unternehmen (OHB) finanziert werden soll, welches u.a. Satelliten für die Bundeswehr anfertigt. Inhalt des Streits ist die Frage, ob dies mit der Zivilklausel vereinbar ist, in der der Akademische Senat der Uni Bremen „die Mitglieder der Universität auffordert, Forschungsthemen und -mittel abzulehnen, die Rüstungszwecken dienen können…“ (AS-Beschluss Nr. 5113). Leider geht dieser Streit vielfach um bloße Abgrenzungsfragen: Ist die Satellitenforschung eindeutig Rüstungsforschung oder nicht vielmehr harmlose Grundlagenforschung, bzw. können Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht immer auch zu militärischen Zwecken verwendet werden? Ist das private Stiften von Geld ein Eingriff in die Freiheit der Forschung oder eine selbstlose Förderung von Forschung zu Unser aller Nutzen?
Wir meinen, dass in solchen Abgrenzungen Verharmlosungen darüber stecken, wie auch die Bremer Uni vor allem durch ihre zivile Forschung zu Kriegsgründen und zum Kriegführen beiträgt, und dass die Trennung zwischen zivil = menschenfreundlich und militärisch = menschenschädlich nicht richtig ist. Warum zivile Forschung und Rüstungsforschung notwendig zusammengehören und was die Freiheit der Wissenschaft damit zu tun hat, darum soll es in dieser Veranstaltung gehen.

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Europameisterschaft 2012 – Nationales Fieber: dumm und schädlich

Zeit: 22.06.2012 19:00 Uhr
Ort: Infoladen Bremen

Mit der EM veranstalten die Staaten – ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Miteinander in der Staatenkonkurrenz – einen friedlichen Wettbewerb. Hier geht es nicht um die gegenseitige Bestreitung und Ausnutzung der materiellen Staatsinteressen und auch nicht um kriegerische Auseinandersetzung. In diesem Wettstreit geht es ausschließlich um Respekt und Ehre.
Und die Menschen, die von den Staaten als Material für die Konkurrenz gegen andere Staaten eingesetzt werden, machen fröhlich mit. Als Nationalfähnchen verkleidet laufen sie zu den Spielen. Hier feiern sie ihr „Deutschsein“ und freuen sich über die vielen Gleichgesinnten, die sich ebenso „unverkrampft“ als stolze Deutsche (oder Franzosen, Polen usw.) bekennen.
Bei dieser Veranstaltung soll gezeigt werden, warum dieses fröhliche Zujubeln keineswegs eine harmlose Feier, sondern die knallharte Zustimmung zur eigenen Unterworfenheit unter eine Sache ist, die den Menschen überall Schaden zufügt.
Wer den Nationalismus aber erst in seinem Exzess und das Gemeine am Nationalismus erst dort entdeckt, wo Besoffene grölend durch die Straßen rennen und andere fertig machen, der verpasst, was der ganz alltägliche Nationalismus leistet… Nationalismus, die Parteinahme für die eigene Nation, ist nicht nur dumm sondern auch extrem schädlich.

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Reminder: heute VA „Atomausstieg und Energiewende“

Atomausstieg und Energiewende – Beiträge zu kapitalistischem Wachstum auf deutschem Boden

Zeit: 25.05.2012, 19:00

Ort: Infoladen Bremen, St.-Pauli-Str. 10-12

 

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Atomausstieg und Energiewende – Beiträge zum kapitalistischem Wachstum auf deutschem Boden

Zeit: 25.05.2012, 19:00

Ort: Infoladen Bremen, St.-Pauli-Str. 10-12

Die meisten in Puncto kapitalistischem Wachstum erfolgreichen Staaten setzen in ihrem „nationalen Energiemix“ auf strahlende Kraftwerke – auch nach Fukushima: Wofür die in der marktwirtschaftlichen Staatenkonkurrenz gut sind und warum es nichts mit einer neuen Liebe zum Menschen und seiner Umwelt zu tun hat, wenn der Staat jetzt ein wenig von ihnen Abstand nimmt, darum soll es in dieser Veranstaltung gehen. Geklärt wird, was es mit der Energiewende auf sich hat und warum diese gerade nichts zu tun hat mit einem Wechsel des Zwecks der ‚Energieversorgung‘. Es soll gezeigt werden, worum es in der Rede von moderner „Versorgungssicherheit“ und neuen „Wachstumschancen“ für die deutsche Öko-Energie-Wirtschaft geht. Denn auch nach dem „Fukushima-Schock“ bleibt das Primat des Staates, das kapitalistische Wachstum auf seinem Boden voranzubringen und dazu lieber andere Staaten energiepolitisch von sich abhängig zu machen, als selbst abhängig gemacht zu werden. Wer sich jetzt empört über das vermeintliche Ende der Energiewende, weil in diesem Programm seine Vorstellungen von „Energie-Demokratie“, einem besserenSchutz der Umwelt usw. irgendwie nicht so richtig vorkommen, hat von Anfang an verpasst, worum es im international marktwirtschaftlichen Gerangel um ‚Befreiung‘ von ‚Rohstoffabhängigkeit‘, Energieträger ‚der Zukunft‘, ‚Transitländer‘ usw. geht.

Eine Veranstaltung aus der Reihe „Kritik 2012“ des Arbeitskreis Auflösen

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Land grabbing: Neokolonialer Landraub oder moderner Imperialismus?

Einladung zur Diskussion:
Zeit: Donnerstag, 03.05.2012, 19:30 Uhr.
Ort: Freizeitheim “Die Friese”, Friesenstraße 110, Bremen, oberster Stock.
GegenStandpunkt & Diskussion Bremen

„Land grabbing“ – Neuigkeiten vom internationalen Kapitalismus
Staaten kaufen Territorium anderer Staaten für den Anbau ’strategischer Agrargüter‘

An der Tatsache, dass politische Gewalten und die von ihnen beauftragten Geschäftstreibenden sich fremdes ‚Land greifen‘, ist überhaupt nichts neu. Der Zugriff auf natürliche Reichtümer in jeder Weltgegend ist eine Selbstverständlichkeit. Zur Erschließung und Ausbeutung der Bodenschätze gehören Bodenrechte, die man beansprucht. Der Anbau von Feldfrüchten in naturbegünstigten Regionen ist ein Kennzeichen der modernen Agrikultur, die von den nordamerikanischen und europäischen Multis ausgeht. Der Betrieb der Plantagen erfordert die Verfügung über ausgedehnte Ländereien und reichlich Wasser, über Straßen und Häfen. Der Transport der flüssigen und gasförmigen Energie-Rohstoffe in die Zentren des Kapitalismus, der sie nutzt und vermarktet, unterhält ein weltweites System von Röhren, wofür ganze Staaten als Transit-Gelände definiert und behandelt werden. Für all diese grenzüberschreitenden polit-ökonomischen Bedürfnisse findet also unentwegt „Land grabbing“ statt. Und dass Geld gezahlt wird, wenn Land unter fremder Hoheit in Beschlag genommen wird, ist ebenfalls die Regel – und der Ausweis, dass der ‚Deal‘ in Ordnung geht. Außerdem sterben auch Bestrebungen zur politischen Annexion von Territorium keineswegs aus, sondern gehören nach wie vor dazu – zu den nationalen Rechten, welche die Staaten beanspruchen und sich wechselseitig bestreiten.
Was also ist das Neue an der „neuen Landnahme“? Weiterlesen

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Der erste Mai – Vom Feiern und Fordern. Workshop zum Lohnsystem

Zeit: 26.04.2012, 19:00
Ort: Infoladen Bremen

Am 1. Mai ist in Deutschland was los auf den Straßen. Es ist der ‚Tag der Arbeit‘. Der Tag im Jahr, an dem Arbeiter_innen und Gewerkschaften antreten, um mit ihren Beschwerden und handfesten Forderungen gehört zu werden. Verwunderlich ist nur, dass zugleich an diesem Tag die arbeitende Bevölkerung von gewerkschaftlichen und staatlichen Vertreter_innen dafür gefeiert wird, und sich auch feiern und ehren lässt, dass sie ‚den Wohlstand und Reichtum unseres Landes’ erwirtschaftet. Arbeit muss den Gelobten anscheinend immer mehr Schwierigkeiten denn Nutzen bescheren, sonst bräuchte es nicht die ganze Ehre.
Wir finden eine Gesellschaft absurd, in der alle Seiten ausgerechnet und hauptsache Arbeit brauchen. Statt einer Feier der Arbeit wollen wir mit euch in dieser Veranstaltung folgende Thesen diskutieren:

  • Lohn ist alles andere als ein gutes Mittel zum Leben und das Streben nach einem „Fairen Lohn“ ein frommer und schädlicher Wunsch.
  • Die Forderung nach „Guter Arbeit“, also einer Arbeit, die einen nicht über die Maßen stresst und krank macht, zeugt bereits davon, dass zur (Lohn-)Arbeit ein stetiger Angriff auf das Wohlergehen gehört.
  • Die Arbeit der Gewerkschaften ist notwendigerweise ein Dauerprogramm und muss es leider auch bleiben.

Eine Veranstaltung aus der Reihe “Kritik 2012″ des Arbeitskreis Auflösen

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Arbeitskreis: Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus. Eine Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie.

Zur Debatte steht:

– Warum Privateigentum staatlich geschützt ist, obwohl so viele so wenig davon haben.
– Warum Geld nicht satt macht und dennoch alle Welt hinter ihm her ist.
– Warum Arbeiter Produkte herstellen, über die sie dann nicht einmal verfügen können.
– Warum Arbeiter so wenig verdienen, dass sie ihr Leben lang schuften müssen.
– Warum die Arbeit immer produktiver wird und das Einkommen der Arbeitenden prekär bleibt.
– Warum ein Überfluss an Produkten für Unternehmer eine Krise bedeutet.
– Warum die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.

Referent: Freerk Huisken

Zeit: Mittwoch, 19:00 Uhr, vierzehntäglich (Erster Termin: 25. April)

Wenn du teilnehmen und den Treffpunkt wissen willst, schreibe eine Email an: arbeitreichtum@argudiss.de

Diskussionsgrundlage: „Beschäftigung“ – „Globalisierung“ – „Standort“… Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum, GegenStandpunkt 4-96 und 1-97

GegenStandpunkt & Diskussion Bremen

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